UXDX EMEA 2026: Wenn KI die Grenzen zwischen Disziplinen verschwimmen lässt

Letzte Woche war ich auf der UXDX EMEA 2026 in Berlin, einer Konferenz für UX, Product und Engineering mit über 650 Teilnehmenden aus ganz Europa. Speaker von Booking.com, Intercom, N26, Amazon, Barclays und vielen mehr.

Ehrlich gesagt war ich überrascht. Nicht alle waren so weit, wie ich erwartet hatte. Manche Unternehmen schienen noch eher am Anfang ihrer KI-Transformation, andere sind schon komplett transformiert. Dadurch entstand ein spannender Austausch.

Was sich wie ein roter Faden durch die zwei Tage gezogen hat: KI verändert nicht unbedingt, was wir bauen, sondern wie wir zusammenarbeiten. Die Grenzen zwischen Disziplinen verschwimmen, Rollen ändern sich. Genau das merken wir bei TBO auch.

 

Vier Personen in einer Panel-Diskussion auf der Bühne, sitzend in Sesseln vor einer Backsteinwand.

Wer sollte nervös sein: Designer, PMs oder Entwickler?

Das Eröffnungspanel war direkt eines der Highlights für mich. Pamela Mead (SumUp), Alex Radu (JPMorgan Chase) und Aastha Yadav (Bolt) haben ziemlich offen über die Frage diskutiert, welche Disziplin sich am meisten Sorgen um KI-Verdrängung machen sollte.

Eine klare Antwort gab es nicht. Pamelas Beobachtung trifft es für mich genau. Die Kernherausforderung von Design hat sich eigentlich gar nicht verändert. Es gab schon immer Menschen, die dachten, das könnten sie einfach selbst machen. KI gibt ihnen jetzt noch mehr Tools dafür, und das Selbstbewusstsein gleich mit.

Ein Satz, der hängen blieb: „If we’re not excellent, the output of AI is not going to be excellent.“ Kein Tool rettet oder ersetzt fehlende Expertise. Es ist immer noch die Person dahinter, die den Unterschied macht. Und der Skill, der dabei wichtiger wird denn je, ist Empathie. Nutzer wirklich verstehen und das in konkrete Produktanforderungen übersetzen. Das kann KI nicht für uns übernehmen.

Spannend fand ich das Panel auch, weil wir diese Fragen bei TBO sehr konkret kennen. Wir haben alle drei Disziplinen unter einem Dach: Design, PM und Development. Gerade deshalb ist es wichtiger denn je, dass wir zusammenarbeiten und Prozesse neu denken. Und die Haltung, die dabei rauskommt, teile ich: Nicht nervös sein, sondern offen und neugierig bleiben.

 

Foto einer Präsentationsfolie mit dem Titel "From Files to Systems": Ein Vier-Quadranten-Diagramm zeigt verschiedene Nutzergruppen nach Einfluss und Nutzungsfrequenz – Secondary Users, Primary Users, Business Stakeholders und Product Stakeholders.

Design-Systeme sind kein Figma-Problem

Zwei Talks über Design-Systeme haben bestätigt, was wir in unserer Projektarbeit immer wieder erleben: Die wirklich schwierigen Fragen sind nicht technischer Natur.

Marianne Ashton-Booth von ITVX und David Sward von Siemens haben beide auf dasselbe hingewiesen. Design-Systeme stehen und fallen mit organisatorischer Abstimmung, einer gemeinsamen Sprache und dem Vertrauen zwischen Teams. Die Komponenten in Figma sind der einfache Teil. Die eigentlichen Fragen sind andere. Wie schaffst du es, dass alle Teams das System wirklich nutzen? Wie hältst du Standards über Jahre und Legacy-Constraints hinweg lebendig?

Das kennen wir bei TBO gut. Wenn wir Kunden bei ihren Design-Systemen unterstützen, drehen sich die wertvollsten Gespräche selten um einzelne Komponenten. Es geht um Governance, Konsistenz und darum, wie Teams schneller werden können, ohne Kohärenz zu verlieren. Und je mehr KI in die Entwicklung einzieht, desto wichtiger werden genau diese gemeinsamen Standards.

 

Speaker auf der Bühne der UXDX EMEA 2026 vor großem Publikum und mehreren Präsentations-Screens.

Der Talk, der mich am meisten beeindruckt hat: Des Traynor von Intercom

Wenn ich einen Talk rausgreifen müsste, dann diesen. Des Traynor, Co-Founder von Intercom (heute Fin), hat beschrieben, wie sie ihre Firma komplett umgebaut haben, um AI-first zu werden. Nicht ein paar Features ergänzt, sondern alles neu gedacht: Mission, Pricing, Prozesse und Kultur.

Besonders beeindruckt hat mich, dass bei Intercom Designer heute für das komplette Frontend verantwortlich sind, vom Konzept bis zur Implementierung. Das ist ein ziemlich radikaler Schritt, der zeigt, wohin die Reise geht, wenn man die alten Rollengrenzen wirklich loslässt.

Sein Fokus auf AI Reliability hat mich sehr angesprochen: „Can we reliably build this really, really well?” Im Drang nach Tempo wird diese Frage oft übersprungen. Für mich ist sie die entscheidende. KI ist das Tool, mit dem wir arbeiten. Für das Ergebnis und die Qualität sind wir verantwortlich. Das ist das, wofür Kunden uns vertrauen.

Doch was bleibt, wenn jedes Produkt kopierbar ist? Sobald etwas draußen ist, kann es jemand einer KI geben und nachbauen lassen. Wettbewerbsvorteile verschieben sich. Was bleibt, ist Tempo und die Fähigkeit, auf diesem Niveau verlässlich zu liefern. Für mich macht das eine weitere Frage dringlicher: Wofür stehen wir eigentlich? Meine Antwort: für die Expertise, Kundenbedürfnisse zu verstehen und in innovative Lösungen zu übersetzen.

 

Fireside Chat auf der Bühne: Ein Mann und eine Frau sitzen einander gegenüber und lachen.

Soft Skills und Grenzen die verschwimmen

Der Talk von Tasha Melchior und Mike Brown hat sich in einem Raum voller KI-Diskussion fast wie ein Gegenprogramm angefühlt. Ihre These: Die Fähigkeiten, die KI nicht replizieren kann (Empathie, aktives Zuhören, kritisches Denken, Verhandlungsgeschick) verkümmern gerade, weil wir sie zu selten noch selbst einsetzen. Spannend fand ich Mikes Beispiel von Barclays, die angefangen haben, UX-Kurse für Entwickler anzubieten. Nicht um sie zu Designern zu machen, sondern weil die Grenzen zwischen Disziplinen schnell verschwimmen. Designer müssen Code verstehen, Engineers müssen UX verstehen.

Bei TBO erleben wir das gerade selbst. Wir haben angefangen, Workshops zu Git und GitHub für die gesamte Agentur anzubieten: Design, PM, Office Management, Führung. Weil das in einer Welt mit agentischen Workflows für alle relevant wird. Die Disziplinen verschwinden nicht, aber die Grenzen dazwischen verschwimmen.

Und für mich persönlich als Lead war dieser Talk auch spannend. Ein Team gut durch eine Phase zu führen, in der sich so viel verändert, braucht mehr Empathie und bewusstere Kommunikation, nicht weniger. Gerade weil KI so viel Tempo und Unsicherheit mitbringt, ist das der Moment, in dem Führung wirklich zählt. Soft Skills sind kein Gegenteil von technischem Fortschritt. Sie sind das, was nötig ist, um solche Veränderungen wirklich durchzutragen.

 

Zwei Personen im Gespräch bei einer Networking-Session, im Vordergrund eine junge Frau mit Brille, die lächelnd zuhört.

Fazit

Zwei Tage, viele Gespräche, und am Ende das Gefühl, dass wir bei TBO an den richtigen Dingen arbeiten. Die Themen bei der UXDX waren nah dran an dem, womit wir uns aktuell viel beschäftigen, wie Ruslan bereits hier beschrieben hat. Disziplinen, die näher zusammenrücken. Verlässlichkeit, die bei zunehmender Geschwindigkeit nicht vernachlässigt werden sollte. Soft Skills, deren Bedeutung gerade wächst.

Das hat sich nicht nur in den Talks bestätigt, sondern auch in den Gesprächen zwischen den Sessions. Ich bin gespannt, wie sich die ganzen Themen bis nächstes Jahr weiterentwickeln, und freue mich, hoffentlich wieder dabei zu sein.

 

Bereit für den nächsten Schritt?

Wir freuen uns darauf, Euch kennenzulernen und gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln.
👉 Um eine erste kostenfreie Beratung zu erhalten, können ihr euch einfach und bequem einen unverbindlichen Termin mit uns buchen: Passenden Termin finden.

Hannah

Hannah

Hannah ist UX/UI Designerin bei TBO. Sie studierte Produktdesign mit dem Fokus auf Interaktion im BA und MA an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und sammelte anschließend Erfahrung in verschiedenen Projekten als Freelancerin und in Startups sowohl im Web- als auch im App-Bereich. Bei TBO ist sie für das Design Team verantwortlich.