Was bedeutet gewaltfreie Kommunikation?

„Du brauchst ja nicht gleich schon wieder so laut werden, das nervt mich!“ – und schon eskaliert das Gespräch. Ein kleiner Satz, der aus einer Mücke einen Elefanten macht. Wer kennt die Situation nicht? Ob auf der Arbeit, mit dem Partner, in der Schule oder sogar in der Kita, plötzlich werden aus normalen Gesprächen mehr oder weniger große Konflikte. Aber woran liegt das?

Meistens sind wir uns nicht bewusst, dass wir bereits durch unsere Sprache und Einstellung beim anderen Stress verursachen. Wir verwenden einen scharfen Ton. Werten, kritisieren, reden ohne richtig zuzuhören und attackieren unser gegenüber verbal. Oft noch nicht einmal beabsichtigt.

Fehlende oder schlechte Kommunikation scheint der Hauptgrund für Streit zu sein. Im Arbeitskontext bedeutet das, dass das Arbeitsklima gestört ist und wer streitet, der arbeitet nicht. Die Folge sind frustrierte und unproduktive Kollegen.

 

Wie wir bei TBO mit Konflikten umgehen

Wir bei TBO versuchen Konflikten durch transparente, kontinuierliche, direkte und ehrliche Kommunikation vorzubeugen. Doch auch offene, gut gemeinte Worte können verletzen, wenn die Worte nicht mit Bedacht gewählt werden.

Ob Projekt-Retrospektive, Mitarbeiter-Halbjahresgespräch oder Catch up, bei uns gibt es regelmäßige Feedbackgespräche. Besonders kritisches Feedback birgt Konfliktpotential. Doch wie kann Kritik geübt werden, ohne die andere Person zu verletzen?

Eine Methode ist der von Marshall Rosenberg in den 1980er Jahren entwickelte Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess, genannt „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK). Der Prozess unterstützt uns Menschen darin, mit uns selbst und anderen in eine einfühlsame Verbindung zu gehen. Rosenberg setzt beim Bewusstmachen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse an. Er unterteilt den Kommunikationsprozess in vier Schritte: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte.

Zunächst sollte die reine Beobachtung neutral und auf Fakten basierend ausgesprochen werden. Anschließend werden die eigenen Gefühle identifiziert und ausgedrückt und mit den Bedürfnissen verbunden, die ebenfalls artikuliert werden. Abschließend wird eine klare Bitte formuliert, konkret und positiv.

 

(Grafik: GFK nach Marshall Rosenberg)

 

GFK in der Praxis

Der Schlüssel liegt in den Bedürfnissen. Denn über diese können sich Menschen verstehen und Verhaltensweisen nachvollziehen. Durch eine objektive Beschreibung sind Vorwürfe ausgeschlossen und das Gegenüber fühlt sich nicht angegriffen. Wichtig bei der Bitte ist, dass sie keine negativen Konsequenzen für die Person haben darf, an die die Bitte gerichtet ist. Grundsatz bei der Gewaltfreien Kommunikation ist, dass man sich selbst oder andere nicht beschuldigt.

Gewaltfreie Kommunikation ist ein Gespräch auf Augenhöhe, bei dem es weder Gewinner noch Verlierer gibt, vorausgesetzt, die Beteiligten hören ernsthaft zu und teilen sich ernsthaft mit. Erst wenn wir uns in unser Gegenüber hineinversetzen, hören wir, was die andere Person fühlt und braucht. Bevor wir unsere Situation darlegen, sollten wir eine Pause machen, sonst kann die gezeigte Empathie auch Misstrauen hervorrufen, weil sie nicht echt wirkt.

Wir müssen diese Kommunikationsform also üben, da die Methode bei falscher Anwendung die Situation auch verschlechtern kann. Es kann sich für Mitmenschen komisch anfühlen, wenn eine Person plötzlich anders reagiert als gewohnt und neue Begriffe verwendet. Die sprechende Person wirkt dann nicht mehr authentisch. Das geschieht, wenn die Methode falsch angewendet wird. Aber wann wendet man das Schema falsch an? Nicht richtig ist es, wenn GFK als rhetorische Technik statt als Selbstreflexion an der Arbeit und der eigenen Haltung verwendet wird. Zudem werden Menschen, bei denen die Veranlagung der Empathie weniger stark ausgeprägt ist, diese Fähigkeit nicht durch das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation erlernen.

 

Ohne Empathie und Respekt funktioniert es nicht

Fazit: Die Methode der gewaltfreien Kommunikation ist ein guter Ansatz Abstand zu einer Gesprächs-Situation zu bekommen, sich in sich selbst und sein Gegenüber hineinzuversetzen und gemeinsam auf Augenhöhe eine Lösung zu finden, bei der sich alle verstanden fühlen. Jeder sollte es einfach mal probieren, ob und wie die Methode im Alltag wirkt. Ich denke, das wichtigste dabei ist, dass man es ernst meint und seinem Gegenüber Empathie und Respekt zeigt. Ansonsten funktioniert es nicht!

 

Schaut auch gern in den Artikel von Jana zu How we work!

Nele

Nele

Nele ist Projektmanagerin bei TBO. Während ihres BWL-Studiums an der Humboldt Universität Berlin hat sie bereits als Werkstudentin den Bereich Testing QA betreut. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie im Bereich Management. Heute hilft ihr ihr technisches Know-how bei der täglichen Projektarbeit mit UX-Design und Software-Entwicklung.