Digitale Barrierefreiheit

Fontane: eine App, mit der Interessierte auf den Wegen Theodor Fontanes wandern können. Eine App, mit dem Anspruch, auch für Menschen mit Einschränkungen nutzbar zu sein. Beim Testen der App musste ich feststellen, dass es schwieriger ist als gedacht, per VoiceOver ein mobiles Gerät zu bedienen. Als ich dann auf einem Screen hängen blieb und nicht mehr wusste, wie ich in die Einstellungen komme, um die Funktion auszuschalten, kam mir der Gedanke, der die Grundlage für diesen Beitrag lieferte: Was, wenn ich plötzlich blind oder anderweitig eingeschränkt wäre?

Was für viele Menschen alltäglich und selbstverständlich erscheint, ist für manche oftmals nicht nutzbar. Immer wieder vergessen wir, wie schnell auch wir zu den „Anderen“ gehören können. „Mir wird das schon nicht passieren.“ Das hoffen wir alle, ausschließen können wir es dennoch nicht.

 

Welche Einschränkungen gibt es?

Im öffentlichen Raum kann Barrierefreiheit schon häufig beobachtet werden. Haben wir nicht alle etwas davon, wenn unsere Umgebung für uns alle einfach und intuitiv gestaltet ist?  Von den Erkenntnissen und Lösungen des Universellen Designs profitieren viele Anwendungsgebiete. Produkte, die von Menschen mit Handicap genutzt werden können, sind auch für den Otto Normalverbraucher zumeist weniger anstrengend und deutlich effizienter in der Anwendung. Warum versuchen wir dann nicht auch im digitalen Bereich mehr Wert auf Accessibility zu legen?

 

 

Menschen mit Einschränkungen lesen Webseiten anders und nutzen andere Funktionen. Sie stellen sich den Bildschirm anders ein, nutzen verstärkt die Tastatur und installieren gegebenenfalls technische Hilfsmittel. Beim Entwickeln von Apps und Webseiten stellt sich nun die Frage, welche Einschränkungen es gibt und somit berücksichtigt werden sollten.

Es können drei Formen von Beschränkungen festgemacht werden: Einschränkungen beim Wahrnehmen oder Verarbeiten von Informationen, Sinnes- und Körperbehinderungen oder eingeschränkte Fähigkeiten, wie Analphabetismus. Am besten wäre es, allen Menschen mit Handicap gerecht zu werden. Aber ist das überhaupt möglich? Worauf können wir achten, um den Menschen mit Beeinträchtigungen den Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen?

 

„Disability is the inability to accommodate poor design.“

Prof. Gregg Vanderheiden, University of Wisconsin

 

Universelles Design – die einfache Lösung?

Wenn drei Stufen bei der Entwicklung beachtet werden, kann schon eine deutlich größere Zielgruppe erreicht werden.  Der größte Schritt: Universelle Usability. Zugegeben, dieser Schritt ist idealtypisch formuliert und es wird in der Praxis auch bei bestem Bemühen eine Grenze gezogen werden müssen.

Im zweiten Schritt sollte darauf geachtet werden, den Nutzern die Möglichkeit zur individuellen Anpassung anzubieten, also die Einstellbarkeit von Schriftgrößen und Farbkontrasten.

Im letzten Schritt sollte das barrierefreie Produkt für technische Hilfsgeräte optimiert sein und für diese Schnittstellen bereitstellen.

Universelle Usability, ein dehnbarer Begriff. Und was genau bedeutet das eigentlich? Nachfolgend fünf weitere Punkte, mit derer Berücksichtigung wir einen großen Schritt hin zur barrierearmen Umsetzung machen.

 

  1. Alternativtexte für Grafiken – Alle Alternativtexte benennen den Inhalt oder die Funktion der Grafik. Informative Bilder, wie Diagramme oder Fotos, haben zusätzlich eine ausführliche Beschreibung.
  2. Umgang mit Farben – Schriften und Symbole sollten einen ausreichenden Helligkeitskontrast haben. Zudem sollten Informationen nicht alleine durch Farbe übermittelt werden, sondern zusätzlich z.B. durch unterschiedliche Formen.
  3. Tastaturbedienbarkeit – Die Website sollte vollständig mit der Tastatur bedienbar sein, wobei die Tastaturbefehle bekannt sind.
  4. Navigation und Orientierung – Navigationsmechanismen sollten üblich und einheitlich gestaltet sein. Des Weiteren muss die aktuelle Position innerhalb der Website/ App immer klar erkennbar sein.
  5. Struktur und Semantik – Alle Texte sollten semantisch korrekt als Absätze, Listen oder Überschriften ausgezeichnet sein. Menüs sollten als Listen ausgezeichnet und die Funktionsbereiche der Seite durch Überschriften betitelt sein.

 

Die aufgelisteten Punkte stellen selbstredend nicht alle Möglichkeiten dar, die berücksichtigt werden können, um Barrierefreiheit zu gewährleisten.

 

Der Schritt in die richtige Richtung

Ein Thema, das eigentlich viel mehr Worten und Beachtung bedarf. Ich denke, es können nicht immer alle Minderheiten berücksichtigt und vor allem zufrieden gestellt werden. Wir sollten aber versuchen darauf zu achten wenn möglich einen Schritt mehr zu gehen, wenn durch diesen auch Menschen mit verschiedensten Einschränkungen von unseren Produkten profitieren können. Alle sollten im Hinterkopf behalten, dass Einschränkungen nicht zwangsläufig angeboren sind, sondern jede und jeder Einzelne von uns auf barrierefreie Produkte angewiesen sein kann – auch unerwartet.

Nele

Nele

Nele ist Projektmanagerin bei TBO. Während ihres BWL-Studiums an der Humboldt Universität Berlin hat sie bereits als Werkstudentin den Bereich Testing QA betreut. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie im Bereich Management. Heute hilft ihr ihr technisches Know-how bei der täglichen Projektarbeit mit UX-Design und Software-Entwicklung.